Bio-Honig ist teurer, als herkömmlicher Honig. Das macht Sinn – schließlich ist ökologische Landwirtschaft aufwändiger und kostenintensiver, als konventionelle. Doch…Moment mal…. Entscheiden Bienen nicht selbst, von welcher Pflanze sie ihren Nektar sammeln? Wer garantiert mir, dass keine Rückstände von Pestiziden in meinem Honig landen? Und wo fängt der Biogedanke bei der Honigherstellung eigentlich an? Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen, habe ich den sympathischen Bio-Imker, Helmut Prenzyna, in seiner Wahlheimat, Regenstauf, besucht.

Sein Handy klingelt nun schon zum achten Mal, doch Helmut Prenzyna geht nicht dran. Der Imker lächelt kurz, ignoriert das Bimmeln erneut und konzentriert sich dann wieder auf unser Gespräch. Es ist ein 33 Grad heißer Montag und ich sitze im kühlen Büro des Imkereibedarfs Prenzyna in Regenstauf. Erfrischend ist hier allerdings nicht nur die Innentemperatur, sondern eben auch die oben erwähnte Eigenschaft meines Interviewpartners. In Verbindung mit der Branche, in der er arbeitet, fällt sie mir einfach so sehr auf, weil sie authentisch ist. Sich nicht hetzen lassen. Den Fokus auf das legen, was gerade wichtig ist. Auch so etwas hat mit „bio leben“ zu tun, finde ich.

Helmut Prenzynas Wurzeln liegen in München. Das hört man noch an seinem bayerischen Dialekt. Zu „Mädchen“ sagt er „Deandl“ (Dirndl) und wenn er dann noch Anekdoten aus seinem Leben zum Besten gibt, erinnert er mich ein bisschen an Meister Eder. Denn auch der Mann vor mir, trägt offensichtlich ein riesengroßes Herz in sich, kann aber gleichzeitig ein knallharter Verhandlungspartner sein, wenn es um seine Werte geht. Sich zugunsten der höheren Ziele nicht verbiegen lassen – auch das gehört zu einem Bioleben.

Mit 43 Jahren wird der ehemalige Hobby-Imker wegen eines Bandscheibenvorfalls pensioniert. Weil er Absatzschwierigkeiten feststellt und soziales Engagement für ihn zu einem sinnhaften Leben gehört, gründet er, gemeinsam mit 63 anderen Imkern, die Honigerzeuger-Gemeinschaft Region Regensburg w.V. Vor 10 Jahren stellt er seine Produktion auf bio um und überzeugt auch seine Kollegen, es ihm nachzutun. Mittlerweile zählt der Verein um die 600 Mitglieder, die zu 80 % Bioware herstellen. Außerdem schließt sich die Gemeinschaft dem Biokreis e.V. an. So kommt es, dass 10 Cent des Erlös des dennree Bayerischen Blütenhonigs an das gemeinnützige Netzwerk aus 1300 Landwirten, 200 Verbrauchern und 200 Verarbeitern gehen.

Mein Interviewpartner bezeichnet sich selbst als „hardcoremäßig drauf“, was Honig anbelangt. Damit meint er, die konsequente Umsetzung des Biogedankens. Und der fängt lange vor dem Einsatz der Biene an: „Die Bioproduktion beginnt beim Betriebsmittel. Wir verwenden Holz und Edelstahl für unsere Bienenstöcke. Kein Plastik oder Styropor.“ Die bestellten Mittelwände mit den vorgegebenen Waben würden außerdem nur mit Biowachs befüllt. „Unser Wachs wird auf 37 Rückstände untersucht. Das ist absolut sauber. Die Wabe ist schließlich das erste Entwicklungsstadium der Biene. Du musst dir nur mal vorstellen, du legst dich auf eine Matratze mit 37 Rückständen.“ Die Vorstellung gruselt mich.
„Durch Rückstände werden Bienen außerdem nicht nur weniger widerstandsfähig gegen Schädlinge, sie können auch unfruchtbar werden und letztendlich gehen die Rückstände wieder in den Honig über“, erklärt mir der Imker.

 

Waben aus bestem Bio-Wachs bilden einen sauberen Arbeitsplatz für die Bienchen

 

Die Ernährung seiner „Mädels“, wie er sie liebevoll nennt, sei ebenso bio. „Wir füttern unsere Bienen mit Bio-Rübenzucker. Der Biobauer muss ja auch unterstützt werden. Bio-Rohrohrzucker nehmen wir nicht, das würde den Darm der Mädels belasten. Außerdem: Ist es normal, Bio- Rohrohrzucker aus Südamerika hierher zu fahren und dann zu sagen, das ist bio?“ Das verfehle das Ziel, findet Prenzyna. Dafür müsse man eben wesentliche Preisunterschiede in Kauf nehmen. „In diesem Fall sind es 0,40 € pro Kilo. Aber man darf das Ganze sowieso nicht nur wegen des Geldes machen – da hätte man keinen Erfolg. Die Seele eines Imkers muss schon ganz auf bio getaktet sein.“

Ich fasse zusammen: Die Bienen werden mit Biozucker gefüttert und die Betriebsmittel müssen nachhaltig und frei von Rückständen sein. Diese Aspekte mag man ja im Einkauf noch selbst in der Hand haben. Doch, wie sieht es bei der Herstellung aus? Von welchen Rückständen sprechen wir hier überhaupt? Und wie kann verhindert werden, dass die Tiere in freier Wildbahn mit entsprechenden Schadstoffen in Berührung kommen?

 

Besonders dicke Brutzellen weisen darauf hin, dass sich männliche Drohnen darin befinden

 

Herr Prenzyna erklärt:“Zum einen ist es eine Frage, wie Schädlinge, wie die Varroamilbe, bekämpft werden. Wir dürfen die Bienen nicht chemisch behandeln.“ Ich erinnere mich an meinen Imkereibesuch im letzten Jahr. Statt Chemiekeulen werden in der Bio-Imkerei natürliche Säuren als Arzneimittel verwendet. Die Bienen putzen sich dann öfter. „In der Konsequenz sind Wachs und Honig frei von Nervengiften. Außerdem werden die Milben nicht resistent.“ Ich vermute allerdings, dass das die kleinste Herausforderung ist. Das größte Risiko dürfte in den 26 Quadratkilometern Flugradius der Tiere liegen.

Der Imker bestätigt mir das: „Wenn genmanipulierte Pflanzen, wie Raps angeflogen werden und man großes Pech hat, kann schon mal passieren, dass man alles wegwerfen muss. Deshalb müssen wir alles tun, um ein gentechnikfreies Produkt auf den Markt zu bringen.“ Dabei spielten auch Pestizide, wie Glyphosat, eine entscheidende Rolle. Oder die Entfernung der Bienenstöcke zur nächsten Autobahn. „Ob am Ende ein Bioprodukt steht, hat etwas mit der Lenkung durch den Imker zu tun. Zum einen müssen wir die Stöcke mindestens drei Kilometer von der Autobahn entfernt aufstellen. Außerdem werden die Bienen bevorzugt auf ökobewirtschafteten Flächen aufgestellt.“ Das hieße allerdings, dass man weniger Honig produziere. „Weil ich keine Massentrachten, wie Raps, habe und von Bäumen oder Hecken abhängig bin. „Doch, wie vergewissert man sich über die verschiedenen Stoffe in der Umgebung? Die Vorgehensweise ist ziemlich oldschool: „Rumfahren und die Landwirte fragen, was sie spritzen“, erklärt Prenzyna. „Ich stehe aber zum Beispiel auf dem größten demeter-Gutshof Bayerns. Mein Platz bleibt immer der gleiche.“

 

Gelebte Ganzheitlichkeit: Weil am Standort seiner Bienenstöcke auch Weiderinder leben, hat Helmut Prenzyna einen eigens solarbetriebenen Elektrozaun aufgestellt. „Die Kühe haben sich sonst immer zwischen den Kästen rumgewälzt“, schmunzelt er.

 

Prenzyna sagt, dass die Lenkung für einen Profi aber kein Problem sein. Ein bisschen fühlt sich das Ganze für mich trotzdem nach Glücksspiel an. Doch wiederholte Kontrollen garantieren letztendlich die Lebensmittelsicherheit beim Endprodukt. „Im Labor wird nachträglich jeder Honig untersucht. Das Unternehmen QSI bestimmt dabei die Sorte, untersucht auf Rückstände oder kontrolliert das Pollenbild. Hier wird auch auf Genpollen untersucht.“

Schlussendlich stelle ich fest, dass die Produktion von Bio-Honig mit viel Herzblut und einer Menge Zusatzaufwand einhergeht. Doch Prenzyna hat seine ganz eigene Rechnung: „Wenn man die ganzen Folgekosten, die der Allgemeinheit für Krankheiten entstehen, auf die Herstellung von Bio-Lebensmitteln überträgt, dann wäre bio im Endeffekt sogar günstiger.“

 

Wie seht Ihr das? Ist bio leben für Euch ein Plusgeschäft? Und welche der vielen Honigsorten ist Eure liebste? Schreibt es mir gerne in die Kommentare!

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